Philosophie - Emotionen und Verstand

Mit Gefühl und Verstand kommen Sie zu guten Entscheidungen.

Wir verfügen über zwei Entscheidungssysteme, die autonom und parallel, mit unterschiedlicher Verarbeitungsgeschwindigkeit zu Entscheidungen kommen und dabei gleichzeitig in hohem Maße miteinander interagieren. Konzeptionell und neurobiologisch handelt es sich hier um zwei Gedächtnissysteme. Zum einen ist das der Verstand, die Kognition, das Denken, die Ratio, der Intellekt oder die Vernunft und zum anderen die Emotion, die Intuition, das Gefühl, das Bauchgefühl oder der Affekt.

Folgende konzeptuelle Verarbeitungen stehen uns damit zur Verfügung: die reine Kognitionsverarbeitung, die in der Vergangenheit am meisten diskutiert wurde und nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als reine vernunftmäßige Entscheidung nicht wirklich vorkommt; demgegenüber steht die ausschließliche Emotionsverarbeitung, die im Alltagsgeschehen eher der Standard ist und dem Bewussten nicht zugänglich ist; erst beides zusammen, die parallele Emotions- und Kognitionsverarbeitung, macht uns zu planerischen und sozialen Wesen.

Die Wahrnehmung wird immer gleichzeitig in die Emotions- und Kognitionsverarbeitung eingespeist. Die Emotionsverarbeitung läuft sehr schnell ab (ca. 300 Millisekunden) und liefert einen „Handlungsimpuls“. Die Kognitionsverarbeitung dauert deutlich länger und kann den vorbereiteten Handlungsimpuls nur noch stoppen und anschließend in eine sozial verträgliche und langfristig orientierte Entscheidung umformen.

Stimmen Handlungsimpuls der Emotionsverarbeitung und das Ergebnis der Kognitionsverarbeitung überein, so handeln wir im Einklang mit einem guten Gefühl. Liegen diese auseinander, kommt ziemlich viel Gefühl ins Spiel, was häufig vorkommt.

Die Emotionsverarbeitung ist wesentlich resistenter gegen Regulierung und Veränderungen als das Kognitionssystem. Wir wissen alle, wie das ist und wie es sich anfühlt, wenn wir „es“ bereits wissen, aber nicht umsetzen können. In der Kognitionsverarbeitung ist die Erkenntnis bereits angekommen und gelernt, doch die Emotionsverarbeitung führt bzw. überführt noch in der alten Version. Oder wir tun etwas und wissen nicht, warum.

Die Emotionsverarbeitung läuft automatisch ab, ohne unser Dazutun. Dennoch können wir lernen, diese Entscheidungsinstanz auch bewusst einzusetzen, können unsere Intuition aktiv befragen und erhalten einen sehr schnellen Impuls, den wir bewusst übersetzen können. So wird die Intuition bewusst nutzbar.

„Wir benutzen unseren Intellekt nur dafür, um unsere getroffenen Entscheidungen im Nachhinein zu erklären“
- Aristoteles

Natürlich beeinflussen sich die Emotions- und Kognitionsverarbeitung in hohem Maße gegenseitig. Wir können uns diesem Phänomen nur nähern, wenn wir uns im „sowohl als auch“ trainieren. Dann erhalten wir zwei Dimensionen für eine tragfähige Entscheidung. Der Erfolg der Kommunikation im Unternehmen sowie außerhalb ist maßgeblich davon abhängig, wie ich die Intuition bzw. Emotionsverarbeitung bei meinem Gegenüber aktiviere. Auf dieser Basis können die Selbstregulierung und eine unterstützende, emotionsbalancierte Kommunikation entwickelt werden. Damit sind Verhandlungen in einem ganz anderen Rahmen möglich, und es entstehen nicht für möglich gehaltene Ergebnisse.

"Richard Graf schafft Gleichgewicht für tragfähige Entscheidungen."